Max Mayr, M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Innsbruck): Ritualisierte Epitexte

Dissertationsthema:
Die Literaturpreisrede als Epitext im Ritual der Literaturpreisverleihung

Universität Innsbruck
Institut für Germanistik
Innrain 52, A-6020 Innsbruck

+43 (0) 512-507-41210 (Sekretariat)
max.mayr[at]uibk.ac.at


KurzvitaDissertationsprojektPublikationen


Kurzvita

geb. 1991 
2010 bis
2013
B.A. Germanistik
an den Universitäten Wien und Innsbruck
2013 bis
2018
M.A. Germanistik
an der Universität Innsbruck
Seit 2014M.A. Vergleichende Literaturwissenschaft
an der Universität Innsbruck
2014 bis
2015
Studentischer Mitarbeiter bei VR Univ.-Prof.’in Dr.’in Ulrike Tanzer
am Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck
2015 bis
2018
Studentischer Projektmitarbeiter am Forschungsinstitut Brenner-Archiv
der Universität Innsbruck
Seit 2020Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Univ.-Prof. Dr. Thomas Wegmann
im Arbeitspaket Ritualisierte Epitexte (Universität Innsbruck)
des FWF/DFG-Projekts Formen und Funktionen Auktorialer Epitexte im literarischen Feld der Gegenwart

Kurzvita ∗ Dissertationsprojekt ∗ Publikationen


Dissertationsprojekt

Das Arbeitspaket Ritualisierte Epitexte untersucht Literaturpreisreden zeitgenössischer Autor*innen im Kontext des im literarischen Feld signifikanten Rituals der Literaturpreisverleihung.

Die bisherige Forschung zu modernen Literaturpreisen (im Einzelnen wie Allgemeinen) hat diese auf ihre Geschichte, Soziologie und kulturpolitische bzw. literaturbetriebliche Funktion und Wirkung hin untersucht.¹ Vorhandene Arbeiten zu einzelnen Preisreden analysieren diese vornehmlich mit Blick auf zeit- und werkgeschichtliche Zusammenhänge der Autor*innen.² Demgegenüber fokussiert das hier verfolgte Arbeitspaket ausschließlich das bis dato nur wenig beachtete Ritual der Literaturpreisverleihung als medial inszeniertes Ereignis, wenn es die dafür eigens verfassten Dankesreden zeitgenössischer Autor*innen seit 2000 erstmals im Zusammenhang mit dieser Praxisform exemplarisch untersucht und in zweifacher Hinsicht perspektiviert.

Erstens hinsichtlich ihrer auktorialen Funktion innerhalb eines für den gegenwärtigen Literaturbetrieb signifikanten Rituals:³ Welche Tauschverhältnisse und damit verbundenen Erwartungshaltungen liegen ihnen zugrunde, und können diese sinnvoll als eine spezifische Form des ‚Gabentauschs‘ begriffen werden? Welche Stellung nehmen diese ritualisierten Epitexte im Kontext zeitgenössischer Werkpolitik ein? Und welchen Einfluss haben die jeweiligen Publikationsmedien und -weisen auf die Danksagungen?

Zweitens ist mit solchen Formen der Rede eine öffentlichkeitswirksame Positionierung des jeweiligen Autors bzw. der Autorin im literarischen Feld verbunden. Es handelt sich um eine ästhetische und/oder poetologische, bisweilen auch politische und/oder moralische Standortbestimmung, die zugleich als Inszenierung des gesprochenen Dichterworts und als De-Anonymisierung des Literaturbetriebs aufzufassen ist. Ursprünglich zumeist schriftlich verfasst und bei der Verleihung mündlich vorgetragen, zielen Literaturpreisreden als Epitexte dabei im Rahmen ihrer Publikation auf Emanzipation vom Ritual der Verleihung und beanspruchen eigenständigen Werkstatus. Zu berücksichtigen ist dabei speziell auch ihre konkrete mediale Verfasstheit, die sich je nach Publikationsart bzw. -ort – als Text in Zeitungen, Jahrbüchern und Sammelbänden oder als audiovisueller Mitschnitt auf YouTube etwa – ändert. Diese unterschiedlichen Kontexte ermöglichen je andere Lesarten und Interpretationsmöglichkeiten der konkreten Reden.

Die Korpusbildung des Arbeitspakets orientiert sich exemplarisch an den distinkten Formaten und Vergabemodalitäten von Literaturpreisen sowie an den spezifischen Dokumentationsformen der Dankesreden im deutschsprachigen Raum seit 2000. Erhoben und analysiert werden die Reden der Preisträger*innen des Georg-Büchner-Preises, des Wilhelm-Raabe-Preises, des seit 2010 in Österreich verliehenen Literaturpreises Alpha, des Deutschen Buchpreises und des Kleist-Preises.

Fußnoten:

1. U.a.: Heckmann, Herbert: „Die Sache des Künstlers ist die Sache des Volkes. Zur Geschichte des Georg-Büchner-Preises“, in: Heiner Boehncke (Hg.): Ein Haus für Georg Büchner. Marburg 1997, S. 47–53; Hornfeck, Susanne: „Goethepreise. Der Dichter als kulturpolitisches Programm“, in: Ortrud Gutjahr (Hg.): Westöstlicher und nordsüdlicher Divan. Goethe in interkultureller Perspektive. Paderborn 2000, S. 251–261; Leitgeb, Hanna: Der ausgezeichnete Autor. Städtische Literaturpreise und Kulturpolitik in Deutschland 1926–1971. Berlin u.a. 1994; Maier, Hans: „Literaturpreise als Instrument der Kulturpolitik“, in: Jahrbuch der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 1987. Darmstadt 1988, S. 107–115; Ulmer, Judith S.: Geschichte des Georg-Büchner-Preises. Soziologie eines Rituals. Berlin/New York 2006; Verweyen, Theodor: „Dichterkrönung. Rechts- und sozialgeschichtliche Aspekte literarischen Lebens in Deutschland“, in: Conrad Wiedemann (Hg.): Literatur und Gesellschaft im deutschen Barock. Heidelberg 1979 (=GRM-Beiheft 1), S. 7–29.

2. U.a.: Geier, Ruth: „Grenzüberschreitungen. Vom Ritual zum Fanal; die Lobrede des Günter Grass zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1997 als Philippika“, in: Textlinguistik. Aix-en-Provence 1999, S. 99–109; Weissenberger, Klaus: „Paul Celans Meridian – ein moderner Essay“, in: Roland Jost/Hansgeorg Schmidt-Bergmann (Hgg.): Im Dialog mit der Moderne. Zur deutschsprachigen Literatur von der Gründerzeit bis zur Gegenwart. Frankfurt a. M. 1986, S. 347–360.

3. Schaffrick, Matthias: In der Gesellschaft des Autors. Religiöse und politische Inszenierungen von Autorschaft. Heidelberg 2014, S. 76f.

4. Godelier, Maurice: Das Rätsel der Gabe. Geld, Geschenke, heilige Objekte. München 1999.


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