Grundlagen des Entwerfens I

MB 2.1 + MB 2.2

Das Fach führt in die komplexen Zusammenhänge des architektonischen Entwurfes mit den Themengebieten: Entwurfspragmatik, Entwurfssystematik und Entwurfsmethodik sowie Grundlagen der Architekturtheorie und Entwurfstheorie ein.

Im  1.  Semester  liegt  der  Schwerpunkt  auf  der  Entwurfspragmatik  (grundlegende Entwurfsfaktoren wie Raumgrößen, Bewegungsflächen, Orientierung von Wohnbereichen, Erschließungssystemen etc.) sowie den Grundlagen der Architektur- und Entwurfstheorie unter dem besonderen Aspekt der Entwicklung der Moderne und deren Einflüsse auf heutige Architekturströmungen.

Die Förderung der Kreativität und des „Sehen Lernens“ sowie das Herantreten an Lösungsansätze sind die angestrebten Lernergebnisse. Hinzu kommt das Erkennen vielfältiger Zusammenhänge zwischen Voraussetzungen, Randbedingungen und Einflüssen auf den architektonischen Entwurf. Das Ziel ist der sichere, eigenständige Umgang mit Mensch und Raum im Sinne des Erschaffens eines qualitätvollen architektonischen Innen‐ und Außenraumes.

Besondere Zielsetzung ist es, die Rahmenbedingungen des Ortes zu analysieren, die eigene Definition der Zielsetzung und phasenweiser Entwurfsbearbeitung zu lernen.

Das Ausprobieren von Alternativen zu jedem Zeitpunkt der Planung, die Arbeit am Modell und in der Zeichnung sowie das gemeinsame Gespräch und die Präsentation in der Gruppe zur Stärkung der Kritikfähigkeit und des Durchsetzungsvermögens, stehen im Mittelpunkt.

In einem Entwurfsworkshop mit örtlicher Präsenz werden die Studierenden erstmals mit der Vielfalt von Abhängigkeiten architektonischer und gestalterischer Entscheidungen konfrontiert.

Übungen des ersten Semesters:

1.Strukturen

2.Raumfolgen

3.Studentenbude

4.Eingang

5.(M)ein (T)raum

Bachelor

Bachelor

Im Department Architektur an der Universität Siegen werden die Studiengänge mit Abschluss “Bachelor of Science” und “Master of Science” angeboten – ab dem Wintersemester 2011/2012 ein 6-semestriger Bachelor- und ein 4-semestriger Masterstudiengang ab dem Wintersemester 2012/2013.
Das Bachelor-Studium gliedert sich in 20 Grundmodule im 1. – 6. Fachsemester, bestehend aus Pflicht- und Wahlpflichtmodulen, in denen die individuellen Neigungen Berücksichtigung finden, und einem Modul für die Bachelor-Abschlußarbeit im 6. Semester.
Die Grundlagen des Entwerfens I + II zählen zu den Grundmodulen und werden im 1. + 2. Semester als Basics gelehrt.

Gedanken zur Lehre

Grundlagen des Entwerfens

Die Ausbildung zum Architekten hat sich an den sich kontinuierlich verändernden Bedingungen und Gegebenheiten des Architekten Berufes zu orientieren.

Es sollte dabei nicht um die Summe von angelerntem Spezialwissen gehen, sondern um das Erkennen der Zusammenhänge von Planen und Entwerfen, Konstruktion und Form, Material und Bauweise, Ideal und Realität gepaart mit Wissen über Projektmanagement, Kostenkontrolle und Büroorganisation.
Der Einzelne ist überfordert, wenn er Spezialwissen in allen Bereichen erlangen wollte.
Es muss Aufgabe des Architekten sein, das Gesamtergebnis deutlich im Auge zu behalten, verantwortlich die Einzelteile zusammenzutragen.
Dies ist in der Vergangenheit im Berufsleben verloren gegangen, uns sind Verantwortlichkeiten abhanden gekommen.
Die Integration realer Abläufe des Architektenberufes in die Lehre steht als Ziel.

Zunächst müssen wir lernen zu sehen, zu erkennen…

Begriffe aus der Planungsterminologie müssen vermittelt werden, ebenso wie Abläufe im Planungsprozess.
Architektur wird von einer Vielzahl von Bedingungen und Einflüssen bestimmt wird, das Entwerfen beschränkt sich also nicht auf das Aufzeichnen von Raumanordnungen.

  • Hinzu kommen die unterschiedlichsten Zusammenhänge und Abhängigkeiten, die eine Menge an Kenntnis der unterschiedlichsten Disziplinen von uns verlangen.
    z.B. Statik, Bauphysik, Ökologie, Ökonomie, usw.
  • Da sind gesellschaftliche Abhängigkeiten, sozial-politische Aspekte, geschichtliche Faktoren, die bei jeder Planung Berücksichtigung verlangen.
  • Hinzu kommen Geschick und oft diplomatische Befähigung im Umgang mit Bauherrn, privaten oder öffentlichen, mit Behörden, anderen an der Planung beteiligten, z.B. Fachingenieure usw.
  • Es stellt sich außerdem immer die Frage:
    nach Beziehungen zwischen Bauten und Benutzern, nach dem menschlichen Maßstab der die Architektur beeinflusst, nach Symbolhaftigkeit und Proportion, nach Voraussetzungen und Wirkungen der Architektur, in psychischer Hinsicht also.
  • Da ist der besondere Ort.

Wie all dies berücksichtigende Entwurfskonzepte letztlich in Abhängigkeit zur gewählten Bauweise zu materialgerechten und somit sinnvollen Baustrukturen weiterentwickelt werden, schließlich ihren eigentlichen Charakter erhalten, ist ebenso zentrale Aufgabe.

Das bautechnisch, konstruktive Verbinden von einzelnen Bauteilen nach den Regeln der Baukunst macht Architektur längst nicht aus.

Diese grundsätzlichen Aspekte muss der Architekt begreifen und beurteilen lernen, um sich ihrer bedienen zu können.

Der Planer als Koordinator muss alle Aspekte und Zusammenhänge, Beiträge anderer Beteiligter sinnvoll fügen auf einen gemeinsamen Nenner bringen, später in Bauabläufen koordinieren.
Dies lässt erahnen welche Verantwortung wir auf uns nehmen müssen.

Nur in der Integration unterschiedlicher Teilbereiche, aber vor allem im Bewusstsein der Abhängigkeiten, Wechselwirkungen, der inneren und äußeren Bedingungen und Zwänge entsteht Architektur.